28.9.2017

Im Folgenden lesen Sie die Stellungnahme des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Münster zu den Presseberichtet, wonach das NRW-Wissenschaftsministerium die Wiedereinführung von Anwesenheitspflichten an den Universitäten plant.

SPIEGEL ONLINE schreibt am 28. September 2017 (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/nrw-anwesenheitspflicht-fuer-uni-seminare-kommt-zurueck-a-1170303.html):
„Die Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), kündigte knapp drei Monate nach ihrem Amtsantritt an, das Hochschulgesetz ihres Landes zu erneuern. Sie wolle den Wissenschaftsstandort NRW weiterentwickeln - "nicht aber gegen die Hochschulen oder über die Hochschulen hinweg".  Pfeiffer-Poensgen will etwa "das starre Verbot von Anwesenheitspflichten im klassischen Seminar abschaffen", wie sie in einer Rede am Mittwoch betonte. Hochschulen könnten "auch ohne solche Bevormundungen verantwortlich mit ihrer Freiheit umgehen" und könnten vor Ort selbst am besten entscheiden, was förderlich für sie sei. Damit sollen Unis wieder verlangen können, dass Studenten ihre Anwesenheit nachweisen, etwa in Unterschriftenlisten.“

Für den AStA der Universität Münster ist klar: Eine Aufhebung des Verbots von Anwesenheitspflichten kommt de facto einer Wiedereinführung gleich. In Nordrhein-Westfalen sind sie seit der rot-grünen Hochschulgesetznovelle Vergangenheit, doch jetzt will die schwarz-gelbe Landesregierung zurück in die Vergangenheit.
Es handelt sich um den Zwang, an einer Veranstaltung der Hochschule teilzunehmen. Es geht weder um aktive Beteiligung noch um eine kooperative Gestaltung von Lehrformaten, sondern schlicht um die Pflicht, physisch anwesend zu sein. Schon von 2009 hat sich die Kultusminister*innenkonferenz auf eine Abschaffung der Anwesenheitspflichten geeinigt, aber von vielen Ländern wurde sie nicht umgesetzt.
Die Wiedereinführung von Anwesenheitspflichten schränkt Studierende in ihrem Grundrecht auf Studierfreiheit ein! Zu hoffen, dass durch eine größere Anzahl an Studierenden in einer Veranstaltung eine kontroverse Debatte zustande komme, ist naiv. Die Studierenden goutieren vielmehr doch auch heute schon innovative Lehrkonzepte und von ihrem Stoff begeisterte Dozierende durch ihre freiwillige Präsenz. Durch engagierte Dozierende werden Studierende so auch heute schon zum akademischen Diskurs angeregt.
Das Studium lebt auch gerade von der Eigeninitiative, dem eigenständigem Denken und der Selbstverantwortung der Studierenden. Studierende und Lehrende sollten sich auf einer Ebene freier Individuen begegnen. Die akademische Freiheit gilt eben nicht nur für Professor*innen – vielmehr genießen auch Studierende den Schutz der Freiheit von Bildung und Forschung, der charakteristisch für das wissenschaftliche Studium ist.
Julian Engelmann, AStA-Vorsitzender, sagt deshalb: „Für den AStA der Uni Münster ist klar: Sollte die Anwesenheitspflicht wieder eingeführt werden, würde nicht die Bevormundung der Universitäten enden, sondern umgekehrt die Bevormundung der Studierenden beginnen. Die Anwesenheitspflicht ist ein eklatanter Verstoß gegen die Studierfreiheit, gegen den wir uns mit aller Kraft einsetzen! Wir rufen die Studierenden und die Universität auf, uns dabei zu unterstützen.“