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Project Ideology Criticism 

occupied by Stefan Grosz

For the last four years, AStA’s project Ideology Criticism has tried to create a space for critical education and discussion[1] zu schaffen und dabei zugleich die gesellschaftlichen und akademischen Bedingungen[2], that at the same time, include the academic and social conditions playing into creating this space as topics for critical reflexion: “Publicity-effective education takes place in all educational institutions – from kindergarten to university, from educational associations to vocational academies. This means, the education sector does not function independently, but is defined, or at least affected, by financial funding and institutionally regulated target agreements. Consequently, its contents change or take place in more autonomous and therefore private spaces – in associations, at student reading circles or autonomous AStA lectures, far too often at the price of staying a private educational affiliation, unable to address the majority of the general public. Critical education is neither in- nor excluded from persisting educational content. After Marx at the latest, the individual knows to situate itself somewhere between possibility and reality, whereas reality eliminates this awareness with the current educational policy. Maybe one of the steps to conquer the current factors determining the educational sector is to find spaces where the awareness of flaws and unrealized potential can be articulated openly. This would then also make up the contents of critical education. For this purpose, institutions should be strategically used and at least their institutional independence should be promoted.”[3]

 

[1] Ideology criticism agrees in this matter with Condoleezza Rice who does not only love Hegel but also dismisses the idea of lecture halls as safe spaces: “Whenever I hear someone say that students want to feel safe, that is when it gets serious for me. It is not my responsibility to ensure students are comfortable in my course. On the contrary – it is my job to make them leave their comfort zones. They have to confront themselves with ideas that do not fit into their worldview.  Please understand me correctly – it is not about offending people or treating them badly because of their ethnicity or religion. The purpose of a university is to make progress and gaining knowledge together – and progress knows neither ethnicity nor religion.” (From “Ich liebe Hegel” – Condoleeze Rice in an interview with NZZ on 02/26/2018)

[2] That these two cannot be separated from each other has been presented in the preface of “Qui dit étude dit travail” from the essay collection regarding ideology criticism, published by AStA

[3] These are the closing words from Maxi Berger’s “Überlegungen zum Gegenstandsbereich kritischer Bildung“ in the essay collection regarding ideology criticism

 

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Events about Ideology Criticism in the summer semester 18

Events start at 7pm

Über die Rückkehr des Proletariats. Ursachen und Folgen einer neuen Mythologie

Niklaas Machunsky

Fr., 18.05.18 im JO1 (Johannisstraße 4)

Als die Linke Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vom Proletariat Abschied nahm, ging sie wohl davon aus, dass deshalb auch die Klassengesellschaft verschwunden sei. An Stelle der Marxschen Kritik der Herrschaft trat die postmoderne Theorie, die von den sogenannten «großen Erzählungen», von Kapital und Klassenspaltung also, nichts mehr hören wollte. Aber aus Gewohnheit oder um des moralischen Mehrwerts willen machte man sich nun zum Anwalt der Tiere oder gleich der Natur. Es lässt sich nicht genau ausmachen, wer als erster das Proletariat wiederentdeckte, die bürgerliche Presse oder die Linke. Doch es soll wieder da sein und prompt verbreitet es Angst und Schrecken im Feuilleton, denn es soll verantwortlich für das Erstarken der rechten Parteien sein. Nichts sei mehr übrig von der internationalen Solidarität mit den Verdammten dieser Erde, das Proletariat sei heute chauvinistisch und verkommen. Mit Didier Eribon hat die Linke allerdings eine für sie passende Antwort gefunden, warum sich die Arbeiterklasse so unartig benimmt: weil sich nämlich die Linke und insbesondere deren Intellektuelle nicht um das Proletariat gekümmert hätten. Waren die linken Intellektuellen gerade noch ohnmächtig im Mittelbau der Universitäten gefangen, wittern sie nun Morgenluft als Spin-Doktoren des alten und neuen Subjekt-Objekts der Geschichte. Wie schon an der Rede von der Rückkehr kenntlich wird, wohnen wir einer Farce bei. Unter der Fuchtel dieser Spin-Doktoren wird die Geschichte nämlich zu einem Setzkasten, aus dem sie sich bedienen, wie es ihnen gerade passt.

In dem Vortrag wird es hingegen um die Geschichte der Klassengesellschaft selbst gehen und der Weg des Proletariats in die „klassenlose Klassengesellschaft“ nachgezeichnet werden. Insbesondere die Versuche des Instituts für Sozialforschung, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und sie begrifflich zu erfassen, werden vorgestellt. Vor diesem Hintergrund wird dann erneut der Abschied vom Abschied vom Proletariat diskutiert.

 

Warum Europäer in den Heiligen Krieg ziehen. Djihadismus als rechtsextreme Jugendbewegung (Buchvorstellung und Vortrag)

Prof. Dr. Karin Priester

Mi., 13.06.18 im S1 (Schloss)

Wer sind die jungen Menschen, die aus Europa in den Heiligen Krieg ziehen? Die Soziologin Karin Priester hat die Lebensläufe von über 500 muslimisch sozialisierten oder konvertierten Dschihadisten aus fünf westeuropäischen Ländern untersucht. Sie hat nach ihren Werdegängen und Berufen, ihren Motiven und den familiären Hintergründen gefragt. Neben Abenteuerlust und religiösen Gründen spielen - so Priester - für den Bruch in den Biografien auch bisher wenig beachtete Motive, zum Beispiel materielle Interessen, eine Rolle. Die Autorin hat in ihrer Untersuchung immer auch die Ideologie des Dschihadismus im Blick und kann einen präfaschistischen Prozess ausmachen. So gelingt ihr eine umfassende Studie, die über den Stellenwert und die Gefahren des Dschihadismus in Europa aufklärt und ihn historisch einordnet.

 

Ladies first. Zum Verhältnis von Feminismus und Emanzipation

Dr. des. Iris Dankemeyer

Mi., 20.06.18 im F5 (Fürstenberghaus)

Spätestens seit die Frauenbewegung von ihrer eigenen sogenannten dritten Welle überschwemmt wurde, kennt der Popfeminismus keine politischen Grenzen mehr. Was dem Underground der Riot Grrls einst lieb und teuer war, ist dem Mainstream heute in bürokratisierter und kommerzialisierter Form nur recht und billig. Der Staat unterstützt die Feministin mit Quotenregeln und Sprachpolitik. Das Popuniversum und die Modewelt bekennen sich zu ihr. Feministinnen reklamieren selbstverständlich die Freiheiten, die Frauenrechtlerinnen und Emanzen vor ihnen erkämpft haben: wie Männer arbeiten und wählen zu gehen, als Frauen verhüten und abtreiben zu können. Wer für diesen Feminismus ist, muss nicht gegen die Gesellschaft sein.

Ladies first bezeichnete einst die Kavalierskonvention, der Dame den Vortritt zu lassen, und wurde stets vom Herrenwitz begleitet, man könne ihr so eben besser aufs Gesäß sehen. Während die First Ladies des kapitalistischen Feminismus nun bereitwillig die sexuell selbstbestimmten und ökonomisch souveränen Powerfrauen mimen, ist mit dem neuesten Netzfeminismus die Stimme der Verliererinnen laut geworden. Sie widerspricht der offiziellen Erfolgsstory: Ladies first gilt vor allem dort, wo es um Gewaltanwendung und Ausbeutung geht.

Die #Metoo-Kampagne kolportiert, dass sich Frauen auch nach der juristischen Gleichstellung auf dem freien Markt wie Huren vorkommen und sich noch nach der sexuellen Revolution auf offener Straße wie Freiwild fühlen müssen. Wo die einen den Beginn einer neuen Frauenbewegung bejubeln, befürchten die anderen das Ende feministischer Tradition: Handelt es sich bei dem neuen Twitter-Aktivismus um einen solidarischen Kampf gegen Unterdrückungsverhältnisse oder organisiert sich hier eine Opferideologie, die selbstständige weibliche Wesen wieder zu schutzbedürftigen und unschuldigen Mädchen erklärt?

Der Vortrag stellt das Verhältnis von Feminismus und Emanzipation anhand einiger Bilder von zeitgenössischen Politik- und Protestformen zur Diskussion. Die wichtigsten Fragen lassen sich dabei nur gemeinsam klären: Wie verhält sich das geschlechtliche Egalitätsprinzip zur historischen Differenz weiblicher Sozialisation? Wie hängen gesellschaftliche Gewaltfrage und soziale Frauenfrage zusammen? Wie wollen wir uns gegenüber dem positivem Empowerment des Freiheitsfeminismus und der negativen Betroffenheit des Gefängnisfeminismus verhalten?

 

Konkurrenten. Über das Islambild der Neuen Rechten

Matheus Hagedorny

Fr., 29.06.18 im JO1 (Johannisstraße 4)

Dass die Neue Rechte islamfeindlich sei, gilt als feststehende Tatsache. Dabei spricht vieles für das Gegenteil. Die „Identitäre Bewegung“ formuliert eine ausführliche „Kritik der Islamkritik“, während der neurechte Vordenker Karlheinz Weißmann den Islam in der Jungen Freiheit als „Hochreligion“ vor „Religionshaß“ in Schutz nimmt und vor einem verhängnisvollen Bündnis mit liberalen Religi-onskritikern warnt. Das Urgestein der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist, plädiert gar für einen „gemäßigten Multikulturalismus“ und hält fest: „Die Eröffnung einer Fast-Food-Filiale oder eines Supermarktes stellt für unsere Identität sicher eine größere Bedrohung dar als der Bau einer Moschee.“

Diese Beschwichtigungen sind angesichts der wachsenden Bedeutung des Islam in Europa nur auf den ersten Blick überraschend. Denn sie sind eine logische Folge der radikal antiliberalen Weltan-schauung unter Neuen Rechten. In der strikten Lebensweise vieler Muslime sehen sie das erfüllt, was dem „liberalisierten“ Europäer zu ihrem Bedauern zusehends abgehe: Unbeugsamkeit, Härte und Gehorsam.

Mit Blick auf die neurechte Vorstellung von „Politischer Theologie“ will der Vortrag die Sicht der Neuen Rechten auf den Islam nachzeichnen. In welchem Verhältnis steht die Nachsicht gegenüber dem Islam zu der Propaganda gegen die Einwanderung von zumeist muslimischen Menschen? Und wer bildet für „rechtsintellektuelle“ Ideologen den wahren Feind, wenn der Islam es offenbar nicht ist?

 

Merkwürdige Allianzen. Intersektionalität, (Anti-)Feminismus und Antisemitismus

PD Dr. Karin Stögner

Do., 05.07.18 im F4 (Fürstenberghaus)

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Konzept der Intersektionalität aus der Perspektive der kritischen Antisemitismusforschung und zeigt auf, dass die Judenfeindschaft im Rahmen der intersektionalen Trias race, class, gender nicht adäquat analysiert werden kann. In den letzten Jahren wurde Intersektionalität zudem immer stärker zu einem politischen Slogan, der in Allianz mit der BDS Kampagne und durch Pinkwashing-Vorwürfe Israel delegitimiert. Karin Stögner schlägt demgegenüber eine radikale Umwertung des Intersektionalitätskonzepts vor, um es für eine emanzipatorische Politik zurückzugewinnen. Antisemitismus wird dabei selbst als Paradebeispiel einer intersektionalen Ideologie bestimmt: in ihm amalgamieren sich Momente des Rassismus, Sexismus, Nationalismus und der Homophobie zu einer verzerrten Welterklärung. Ausgehend davon wird die Konzeption einer „Intersektionalität von Ideologien“ entworfen.

 

 

 

Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm

(Buchvorstellung und Vortrag)

Dr. Stephan Grigat

Mo., 09.07.18 um 19 Uhr s.t. im Hörsaal JO1 (Johannisstraße 4)

 

WICHTIGE ANMERKUNG: Der angekündigte Vortrag am 4. Juli zur kritischen Theorie des Zionismus & Antizionismus von Dr. Stephan Grigat in Münster entfällt aufgrund des Staatsbesuches Rohanis in Wien. Die Projektstelle Ideologiekritik und Stephan Grigat haben sich dazu entschieden, stattdessen am 9. Juli eine Buchvorstellung "Iran – Israel – Deutschland" aufgrund der gegenwärtigen Konstellation zu veranstalten. Zu den "merkwürdigen Allianzen" des Antizionismus spricht PD Dr. Karin Stögner am 5. Juli.

 

Der heutige Iran, Israel und Deutschland sind auf eine merkwürdige Weise miteinander verbunden. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. Dieser Band, dessen Beiträge auf einer Konferenz beruhen, die Anfang 2017 in Berlin stattgefunden hat, erhebt Einspruch gegen die gängige Darstellung des iranischen Regimes und fragt nach den besonderen Beziehungen, die Deutschland als „Rechtsnachfolger des Dritten Reiches“ zur antisemitischen Diktatur im Iran einerseits und zum jüdischen Staat andererseits unterhält. Das Regime der Ajatollahs wird ebenso vor dem Hintergrund der Erfahrung des Nationalsozialismus analysiert wie die deutsche Iran-Politik und die israelischen Reaktionen auf das iranische Atomprogramm.

 

Decolonizing Auschwitz? Woran postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung scheitern

Steffen Klävers

Fr., 13.07.18 im JO1 (Johannisstraße 4)

Seit einiger Zeit führen die internationalen Geistes- und Sozialwissenschaften im Zeitalter vergleichender Genozidforschung und postkolonialtheoretischen Fragestellungen eine Debatte über vermeintliche (strukturelle, ideologische) Ähnlichkeiten und Kontinuitäten zwischen Kolonialismus, Nationalsozialismus und Holocaust. In vielerlei Hinsicht erinnert diese Debatte an den so genannten Historikerstreit der 1980er Jahre. Ging es im Historikerstreit um die Ursprünglichkeit und Singularität der Shoah vor dem Hintergrund der stalinistischen Gulags sowie um die Frage ihrer Vergleichbarkeit und Gleichsetzung, wird in aktuellen Ansätzen die Frage diskutiert, ob die Forschung strukturelle und ideologische Gemeinsamkeiten des europäischen und speziell deutschen Kolonialismus als ‚Vorläufer‘ und ‚Ideengeber‘ von NS und Holocaust bisher in eurozentrischer Manier ignoriert habe.

Der Versuch einer 'Dekolonisierung' und Einbettung eines Untersuchungsgegenstandes in einen transnational-kolonialen Bezugsrahmen ist damit also auch in der Holocaustforschung angekommen. Untersuchungsgegenstand ist in diesem Fall neben dem nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa, der als essentiell kolonialer Eroberungskrieg begriffen wird, auch die NS-Judenvernichtung selbst: Die Shoah wird in diesen Ansätzen aus vermeintlicher Sicht der Nazis als 'antikolonialer' oder 'subalterner' Befreiungskrieg beschrieben, die Singularitätsthese des Holocausts als hegemonial abgelehnt und der NS-Antisemitismus im Paradigma des (kolonialen) Rassismus verortet. Über die Probleme eines derartigen Zugriffes soll im Vortrag eingegangen werden.

 
The events from AStA are free of charge, no entry fee.
They start at 7pm.

“Whenever I hear someone say that students want to feel safe, that is when it gets serious for me. It is not my responsibility to ensure students are comfortable in my course. On the contrary – it is my job to make them leave their comfort zones. They have to confront themselves with ideas that do not fit into their worldview.  Please understand me correctly – it is not about offending people or treating them badly because of their ethnicity or religion. The purpose of a university is to make progress and gaining knowledge together – and progress knows neither ethnicity nor religion.”

  • Condoleezza Rice in an interview with NZZ on 02/26/2018, „Ich liebe Hegel"