Projektstelle Politischer Garten

besetzt durch Maike Schlebusch

 

Hallo du interessierter Mensch!

Es gibt da jetzt so ein neues urban-gardening-Projekt am IfPol. – Den „politischen Garten“!

 

Wir – die Randalieschen – haben zwei Hochbeete gebaut, und läuten hiermit eine neue Ära des gemeinschaftlichen Gärtnerns in Aasee Nähe ein.

Gemeinsam pflanzen wir Kräuter und Nutzpflanzen an und setzen uns mit regionalen und saisonalen Anbauweisen auseinander. Außerdem planen, tüfteln und bauen wir und versuchen einen Raum zu schaffen, in dem alle ihre Ideen einbringen können.

 

Aber - wie unsere Pflanzen soll der „politische Garten“ noch weiter wachsen und gedeihen.

Es gilt also – Ran-da-Lieschen! Egal ob du Lust auf Gärtnern, kreative Außenraumgestaltung oder Holzarbeiten hast; alle interessiert-motivierten Köpfe können sich auf ihre Art einbringen.

Sprich einfach Leute aus den Fachschaften Soziologie und Politik in der Baracke an oder schreib uns eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und mach mit!

Frühling im Kopf
Es ist Frühling.
Frühling, da draußen. Vor der Tür. Da, wo du nur allein hindarfst, höchstens zu zweit, auf zwei Meter Abstand.
Gäbe es keine Pandemie, keine Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote – ich würde einen Artikel über den passenden Aussaattermin für verschiedene Nutzpflanzen oder die fachlich korrekte Pflanzenvermehrung schreiben. Doch während ich allein an meinem Schreibtisch sitze und mein Blick aus dem Fenster schweift, in die immer grüner werdenden Bäume – da fällt es mir schwer, einen solchen Text zu verfassen.
Es ist nicht einfach nur Frühling.
Denn es herrscht eine Ausnahmesituation. Durch die Pandemie ist das öffentliche Leben in radikalem Maße eingeschränkt. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote gelten.
Für Menschen, für die die eigenen vier Wände keinen sicheren Rückzugsort darstellen oder die plötzlich in soziale und ökonomische Unsicherheiten geraten, kann die momentane Situation zur Belastungsprobe werden. Mit dem zwangsmäßigen Rückzug ins Private geht auch ein Anstieg häuslicher Gewalt oder Vereinsamung einher, nicht nur die Eindämmung des Virus.
Und was ist mit denen, die gar keine Wohnung haben?
Mit einem Blick an die EU-Außengrenzen, an denen sich noch immer zehntausende Menschen in Flüchtlingslagern unter katastrophalen Hygienebedingungen und auf engstem Raum befinden, scheint der zwei Meter Mindestabstand hierzulande getrübt durch Doppelmoral.
Wie wichtig soziale Netzwerke und Hilfseinrichtungen sind, wird heutzutage dafür einmal mehr deutlich. Solidarität ist gefragt – und wird von vielen auch gelebt: Netzwerke zur Nachbarschaftshilfe entstehen und der Einkauf für Menschen, die der Risikogruppe angehören, wird von freiwilligen Helfer*innen erledigt. Trotz Essensausgabeverbot wird die Versorgung der Tafeln durch ehrenamtliche Lieferdienste aufrechterhalten und durch zum Beispiel gemeinsames Musizieren aus den Wohnzimmerfenstern wird ein Zusammen in Zeiten des häufigen Alleinseins gelebt. Auf einmal so viel Zusammenhalt.
Doch nicht nur individuell werden wir durch das Virus vor Herausforderungen gestellt. Mir scheint es, als würden ganze Strukturen plötzlich einer neuen Dynamik unterliegen.
Strukturen, die ich für nahezu unveränderbar gehalten habe.
Auf einmal ist der Flugverkehr nahezu eingestellt. Auf einmal schreitet der Digitalisierungsprozess mit großen Schritten voran. Auf einmal wird die Arbeit all derer anerkannt, die an der Kasse sitzen, in den Kitas arbeiten, alte Menschen pflegen etc.. Auf einmal wird die Relevanz eines gut funktionierenden und für alle zugänglichen Gesundheitssystems deutlich.
Das neoliberale Wirtschaften scheint auf einmal nicht mehr so alternativlos. Jetzt zeigt sich deutlich, dass der Fokus in Zukunft woanders liegen muss, als im permanenten Wirtschaftswachstum – die Auswirkungen spüren jetzt alle.

Während ich also allein in meinem Zimmer sitze, frisch geschnittene Stecklinge auf meiner Fensterbank – denn es ist ja immer noch Frühling da draußen – da gehe ich diesen Gedanken nach und wundere mich.
Frage mich, was wäre, wenn – und stelle mir vor wie die Welt aussehen könnte, jetzt, da alles wandelbar scheint… Frühling im Kopf.