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Projektstelle Veranstaltungen zur Ideologiekritik

besetzt durch Thassilo Polcik

Um Möglichkeiten kritischer Bildung ist es an der im Zuge des Bolognaprozesses tendenziell nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben eingerichteten Universität schlecht bestellt. So soll die Forschung weitgehend einem nützlichen, d.h. mindestens mittelbar verwertbaren, Zweck dienen. Studierende erfahren die Ökonomisierung der Hochschule vor allem durch eine Verkürzung der Regelstudienzeit bei gleichzeitigem Anstieg des Workloads. Zum emsigen Punktesammeln gesellt sich ein entgrenzter Leistungsdruck, zählt etwa eine Vielzahl der besuchten Veranstaltungen mit in die Endnote des Bachelors oder Masters und scheint oftmals auch noch erwartet, dass Praktika in Eigeninitiative absolviert werden. Die Veranstaltungen zur Ideologiekritik des AStA der Universität Münster verstehen sich seit nunmehr viereinhalb Jahren als Einspruch gegen diese tendenzielle Ökonomisierung der Bildung. Auch wenn die disponible Zeit seitens der Studierenden rar geworden ist, sollten und sollen die regelmäßig stattfinden Vorträge und Workshops zur Möglichkeit der Selbstbildung beitragen, indem Inhalte thematisiert werden, deren Durchdenken notwendig für ein adäquates (Selbst-)Verständnis (in) der Gegenwart ist.

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Im Rahmen der Projektstelle Ideologiekritik wurden die Reader Aufsätze zur Ökonomisierung der Bildung und Ausätze zur Ideologiekritik erarbeitet. Die dort enthaltenen Texte sind frei zugänglich und können helfen, das eigene Wissen zur Kritik gegenwärtiger Hochschulbildung zu erweitern und das Verständnis für die theoretischen Grundlagen der Ideologiekritik zu vertiefen.

Die Veranstaltungen zur Ideologiekritik werden in diesem Semester vom Verlag Westfälisches Dampfboot, dem ROSTA Buchladen und dem Büro für Gleichstellung der Universität Münster finanziell unterstützt.

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Veranstaltungen zur Ideologiekritik im Sommersemester 2019

Vortragsbeginn ist 19 Uhr s.t.

 

„Antizipation des Kommunismus durch die Phantasie“. Marx und Engels über sozialreligiöse Bewegungen.

 

Vortrag von Johannes Hauer

Do., 25.04.2019

Raum: H2

Zeit: 19 Uhr

 

In seiner Schrift über die deutschen Bauernkriege des 16. Jahrhunderts charakterisiert Friedrich Engels die revolutionären Theologie Thomas Müntzers als „Antizipation des Kommunismus durch die Phantasie“. Ähnliche Bemerkungen finden sich in Engels‘ Studien zum Urchristentum. Obwohl er sich von Apokalyptik, wirrem Fanatismus und Sündenbewusstsein der christlichen „Unsinnsreligion“ angewidert zeigt, konzediert er „merkwürdige Berührungspunkte mit der modernen Arbeiterbewegung“. Bei beiden handelt es sich um Bewegungen der Armen und Unterdrückten gegen die Alte Welt. Bis weit in die Neuzeit hinein artikulierten plebejische Massenbewegungen ihre Negation der bestehenden Ordnung in religiöser Sprache. Ihr Trachten nach dem Reich Gottes auf Erden, nach radikaler Gleichheit, nicht nur in seelischen, sondern auch in weltlichen Belangen, berief sich auf die biblische Überlieferung. Das Urchristentum und seine Nachfolger sind nichts anderes als der Sozialismus unter den geschichtlichen Bedingungen seiner Unmöglichkeit.

 

Am religiösen Sozialismus der Gegenwart ließen Marx und Engels freilich kein gutes Haar, nicht nur dem Kommunistischen Manifest gilt er als Ausdruck restaurativer Tendenzen und einer „Unfähigkeit, den Gang der modernen Geschichte zu begreifen“. Religiöse Gestalten des Sozialismus sind nun ein Hemmschuh wirklicher Emanzipation und müssen als politische Gegner bekämpft werden. Aus der „Antizipation des Kommunismus“ wird in der historischen Bewegung ein Atavismus. Somit hat Kritik der Religion einen Zeitkern. Eine Verwerfung der Religion als schlechthin reaktionär ist anachronistisch; anachronistisch ist aber umgekehrt auch ihr Fortleben unter modernen Bedingungen. Zu begreifen ist Funktionswandel der Religion von einem Medium der Klassenauseinandersetzungen zu einem Merkmal reaktionärer Klassen.

 

Der Vortrag will den skizzierten Gedankengang entfalten und zur Diskussion stellen. Wie begründet sich jene Geschichtskonstruktion? Durch welche Neuerungen wird Religion obsolet? Zehrt sich ihre Substanz vollständig in der wirklichen Bewegung der Geschichte auf oder bleibt ein Rest? Kann der wissenschaftliche Sozialismus die alten Verheißungen einlösen? Soll er das überhaupt?

 

Johannes M. Hauer hat in Leipzig und Wien Philosophie und Soziologie studiert. Er lebt in Leipzig und arbeitet derzeit an einer philosophischen Promotion zum Entfremdungsproblem im Werk Friedrich Schellings. Er ist Mitglied im Bildungsprojekt translib und veröffentlichte u.a. in den Zeitschriften konkret, Phase 2 und diskus.

 

 

Völkische Mobilisierung. Die Radikalisierung der AfD in der Debatte über die Flüchtlings- und Asylpolitik

 

Vortrag von Marc Grimm

Fr., 03.05.2019 (im Rahmen des Festival Contre le Racisme)

Ort: Sputnikhalle (im Rahmen des Coraci – Festival contre le racisme)

Zeit: 18 Uhr

 

Es gibt gerade in linken und liberalen Kreisen die Hemmung, den Aufstieg der AfD mit der Politik der Grenzöffnung der Bundesregierung in Verbindung zu bringen. Begründet liegen dürfte diese Angst in der Vorstellung, dass der Zusammenhang ein schlechtes Licht auf die Asylpolitik der Bundesregierung werfen könnte. Dem entgegen scheint es unbedingt notwendig diese Debatte zu führen, um Klarheit über die Einflussfaktoren für das Erstarken der AfD zu gewinnen und Wirkungszusammenhänge zu identifizieren, auf deren Grundlage dann überhaupt erst diskutiert werden kann, wie der AfD und dem Phänomen des Rechtspopulismus beizukommen ist. Entsprechend ist es das Ziel des Vortrages, den Radikalisierungsprozess der AfD während der ‚Herbstoffensive‘ im Jahr 2015 in der gebotenen Kürze darzustellen und die Erfolgsbedingungen der AfD im Kontext der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zu diskutieren.

 

Marc Grimm, Dr.phil., ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Prävention und Intervention in Kindheit und Jugend an der Universität Bielefeld. Zuletzt erschien bei De Gruyter der zusammen mit Bodo Kahmann herausgegebene Sammelband Antisemitismus im 21. Jahrhundert. Virulenz einer alten Feindschaft in Zeiten von Islamismus und Terror.

 

 

Die erwartete Katastrophe: Zur Praxis des Preppens

 

Vortrag von Mischa Luy

Do., 09.05.2019

Raum: H2

Zeit: 19 Uhr

 

Sogenannte Prepper sind Menschen, die sich gezielt auf den antizipierten Eintritt einer Katastrophe vorbereiten. Die erwarteten Katastrophenszenarien und die hierauf ausgelegten Vorbereitungsmaßnahmen variieren je nach Prepper stark. Die Vorkehrungen zur individuellen Resilienzsteigerung reichen von mehrwöchiger Bevorratung, über Stromgeneratoren bis hin zu Bewaffnungen und sollen das Überleben ohne fremde Hilfe im Katastrophenfall absichern.

 

Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Preppen neben dem Reality-TV Format „Preppers – Bereit für den Weltuntergang“, vor allem durch die mediale Berichterstattung über politisch brisante Vorfälle in Mecklenburg-Vorpommern 2017. Dort wurden ein Kommunalpolitiker und ein Polizeibeamter verdächtigt, Teil der rechtsterroristischen Preppergruppe „Nordkreuz“ zu sein, welche Todeslisten mit Namen von Personen mit linker politischer Gesinnung führte. Laut Nachforschungen der TAZ waren zudem Bundeswehrsoldaten in dieser Gruppe involviert. Den Ausfall staatlicher Behörden im potenziellen Krisenfall wollte die Gruppe Nordkreuz dazu nutzen, um mit gehorteten Schusswaffen die gelisteten Personen zu ermorden.

 

Der Vortrag gibt einen einführenden Einblick in das Phänomen Preppen in Deutschland. Neben einem geschichtlichen Abriss der Genese von Preppen, wird auf Basis von mit aktiven Preppern geführten Interviews, den persönlichen Motivationen sowie den Selbst- und Weltverhältnissen der Prepper nachgespürt. Gleichsam sollen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive Thesen zur Erklärung der Entstehung und der zunehmenden Attraktivität dieser außergewöhnlichen Praxis präsentiert werden.

 

Mischa Luy ist Stipendiat der Hans-Böcker-Stiftung und promoviert zum Thema Prepper an der Ruhr-Universität Bochum.

 

 

Die Gegenwart des Populismus: Formen und Ursachen der autoritären Revolte in Europa

 

Vortrag von: Prof. Dr. Lars Rensmann

Mo., 20.05.2019

Raum: H2

Zeit: 19 Uhr

 

Erstarkte autoritäre populistische Parteien und Bewegungen bestimmen in den letzten Jahren zentrale politische Konfliktlinien in Europa. In etlichen europäischen Ländern haben es populistische Akteure zu Regierungsbeteiligungen geschafft; in EU-Mitgliedsstaaten wie Italien, Polen oder Ungarn bilden sie selbst allein die Regierung. Dieser Erfolg wird getragen von einer transnationalen gesellschaftlichen Revolte – einer nationalistischen, autoritären soziokulturellen „Gegenrevolution“ – die mit bisherigen zivilen Normen, Diskursgrenzen und politischen Regelungsformen zu brechen bereit ist. Aufgrund der Art und ihres Ausmaßes kristallisiert sich in jener von populistischen Parteien mobilisierten Revolte indes nicht nur eine Krise der etablierten Parteiensysteme. Vielmehr können die heute europaweit reüssierenden autoritären Populisten auch sowohl als Akteure als auch als Symptome einer Krise der liberalen Demokratie gedeutet werden, welche sie in eine “illiberale” transformieren möchten. Der Vortrag untersucht vergleichend populistische Phänomene in Europa und die Ursachen ihres (aufhaltsamen) Aufstiegs – und wirft dabei politikwissenschaftliche, inter-disziplinäre und kritisch-theoretische Analyseperspektiven auf einen allzu aktuellen Gegenstand.

 

Prof. Dr. Lars Rensmann ist “Professor of European Politics and Society“ an der Rijksuniversiteit Groningen.

 

 

Harry Potter und die Widersprüche der Kulturindustrie: Eine ideologiekritische Analyse

 

Buchpräsentation von Melanie Babenhauserheide

Mi., 29.05.2019

Raum: H1

Zeit: 19 Uhr

 

Eine Aktualisierung der Kritischen Theorie anhand einer ideologiekritischen Reflexion der Bestseller-Reihe: J.K. Rowlings erfolgreiche Heptalogie hat weltweit die Fans begeistert und ist in die Bildungserfahrungen einer ganzen Generation eingegangen. Diese Studie geht der Frage nach: Inwiefern bestätigen und hinterfragen die Romane dabei realgesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse? Während die Reihe bislang oft als entweder affirmativ oder emanzipatorisch verstanden wurde, betrachtet diese erste umfassende Reflexion aus der Perspektive der Kritischen Theorie Adornos die ideologischen Widersprüche. Die Konflikte, die sie auf Seiten der Fans provozieren, enthüllen eine Dialektik der Kulturindustrie in Bezug auf (Halb-) Bildung heute. Die Studie eröffnet damit eine spezifische Perspektive auf das Politische in Kinder- und Jugendliteratur, die sich von den medialen Debatten über die Überarbeitung von Kinderbüchern abgrenzt.

 

Dr. Melanie Babenhauserheide ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Harry Potter und die Widersprüche der Kulturindustrie: Eine ideologiekritische Analyse ist ihre Dissertation, die 2018 bei transcript erschienen ist.

 

 

Selbstanpassung ohne Selbst. Zur Aktualität von Adornos „Theorie der Halbbildung“ im flexibilisierten Kapitalismus

 

Vortrag von Manuel Rühle

Mi., 19.06.2019

Raum: JO1

Zeit: 19 Uhr

 

In seinem Vortrag „Theorie der Halbbildung“ von 1959 reflektiert Adorno den Niedergang der bürgerlichen Bildungsidee als Folge des Scheiterns ihrer historisch-gesellschaftlichen Realisierung. Als „Kultur nach der Seite ihrer subjektiven Zueignung“ (Adorno) unterliegt Bildung demnach der gleichen Dialektik des Verfalls wie die bürgerliche Kultur insgesamt: Der fortschreitenden Kommodifizierung, d.h. dem Zur-Ware-Werden sämtlicher kultureller Erzeugnisse und der damit einhergehenden Eliminierung ihres kritischen Gehalts entspricht die fortschreitende Verdinglichung der diese rezipierenden Subjekte. Dieser Prozess mündet in der zeitgenössischen kapitalistischen Gesellschaft in den Bewusstseinsmodus der Halbbildung, der durch eine fundamentale Erfahrungsunfähigkeit gekennzeichnet ist.

 

Diese Überlegungen Adornos sollen aufgegriffen und im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse ausgelegt werden. Im Mittelpunkt steht hierbei die These, dass im flexibilisierten Kapitalismus der Gegenwart eine fast ausschließlich an ökonomischen Kategorien orientierte Bildungspolitik und eine von dieser geprägte kulturindustrielle Pädagogik maßgeblich zur Produktion halbgebildeten Bewusstseins beitragen. An die Seite der Agenturen der Massenkultur ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend das (öffentlich wie privat geführte) Bildungswesen getreten, das im Namen internationaler Wettbewerbsfähigkeit die planmäßige Produktion und nachhaltige Festigung halbgebildeten Bewusstseins betreibt. Gegenüber diesen Tendenzen lassen sich in Adornos Begriff geistiger bzw. philosophischer Erfahrung vielfältige Ansatzmöglichkeiten für die Weiterentwicklung einer kritischen Theorie und Praxis der Bildung ausmachen.

 

Dr. Manuel Rühle ist Mitarbeiter beim DGB Bildungswerk Bayern und befasst sich mit den Möglichkeiten und Perspektiven Kritischer Pädagogik unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen.

 

 

Autoritärer Charakter und Geschlechterverhältnisse – Zur Aktualität der Kritischen Theorie aus feministischer Perspektive

 

Vortrag von Barbara Umrath

So., 23. Juni (im Rahmen des Salon Féministe)

Ort: Baracke

Uhrzeit: 16 Uhr

 

 

Im Kontext von Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten und dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in Europa hat das von der Kritischen Theorie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte Theorem des autoritären Charakters neue Aufmerksamkeit erlangt. ‚Geschlecht’ und Sexualität werden dabei allerdings bisher kaum thematisiert. Die Mobilisierungen gegen eine vermeintliche ‚Frühsexualisierung’ von Kindern und die Diffamierung der Gender Studies als ‚Ideologie’ geben jedoch Anlass, sich genau damit auseinander zu setzen. Was haben ‚Geschlecht’ und Sexualität mit dem autoritären Charakter zu tun? Wie hat die Kritische Theorie den autoritären Charakter verstanden? Und wie lassen sich deren Überlegungen mit Blick auf aktuelle Entwicklungen der Geschlechterverhältnisse weiterdenken?

 

Barbara Umrath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln. In ihrer Dissertation hat sie die Auseinandersetzungen der Kritischen Theorie mit Geschlechterverhältnissen untersucht: https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/kritische_theorie_und_geschlecht-15387.html

 

 

Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik

 

Vortrag von Ingo Elbe

Mo, 01.07.2019

Raum: JO1

Zeit: 19 Uhr

 

Antirassistische Theoriebildung sollte den Anspruch haben, ein ebenso verbreitetes wie vielgestaltiges Herrschaftsphänomen zu analysieren und Möglichkeiten seiner Abschaffung aufzuzeigen. Es stellt sich – und zwar bei führenden Vertreterinnen und Vertretern des Antirassismus weltweit – allerdings heraus, dass Antirassismus zur Weltanschauung mutiert ist, die partiell gültige Aussagen unzulässig verallgemeinert, empirische Analysen durch starre Theorieschablonen ersetzt, inkonsistente, machtreduktionistische und kulturrelativistische Erkenntnistheorien zugrunde legt und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird. So gehören vor allem die Dethematisierung des politischen Islams und die antizionistische Agitation gegen Israel inzwischen zum guten Ton vieler antirassistischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten.

 

Der Vortrag gibt einen Überblick über Faktoren, die das wichtige Anliegen einer Analyse rassistischer Herrschaftsmechanismen in eine starre Weltanschauung verwandelt haben.

 

Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017. „Die postmoderne Querfront. Anmerkungen zu Chantal Mouffes Theorie des Politischen.“ In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 12/2018. Online-Texte unter: www.rote-ruhr-uni.com

 

 

Terrorismus und politische Gewalt

 

Wochenendseminar mit Michael Städtler

Fr., 19.07.2019 (13-19 Uhr) & Sa., 20.07.2019 (11-18 Uhr)

Raum wird noch bekannt gegeben

Anmeldung per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Im 20. und 21. Jahrhundert ist eine Entgrenzung terroristischer Gewalt zu beobachten, die einerseits quantitativ immer mehr Opfer und qualitativ immer mehr Opfergruppen erfasst. Das dürfte keineswegs auf Entwicklungen der Waffentechnik oder darauf zurückzuführen sein, dass es sich tatsächlich um ‚neue Kriege' (Münkler) handelte. In dem Workshop möchte ich der These nachgehen, dass die Veränderungen der Formen politischer Gewalt in einem direkten Verhältnis zu Veränderungen in der Organisation von Gesellschaft und Staat, von Herrschaftsformen und -strukturen im allgemeinen, stehen. Dafür möchte ich zuerst einige Grundbegriffe der Geschichte politischer Gewalt klären: Tyrannis, Souveränität, Widerstand und Tyrannenmord. Anschließend sollen spezifische Eigenschaften terroristischer Gewalt an deren frühen Legitimationsversuchen herausgearbeitet werden. Hiervon ausgehend sollen schließlich Dokumente der Selbstrechtfertigung der Roten Armee Fraktion und der Al Qaida diskutiert werden. Parallel geht es immer darum, eine gesellschaftstheoretische Reflexion mitzuführen. Eine Textauswahl wird als Reader bereitgestellt.

 

Michael Städtler ist außerplanmäßiger Professor am philosophischen Seminar der Universität Münster. Derzeit lehrt er an der Bergischen Universität Wuppertal.

 

 

Frauenhirne – wie ideologischer Unsinn zur wissenschaftlichen Tatsache wird

Vortrag von Christine Zunke

 

Vortrag von Christine Zunke

So., 01.09.2019 (im Rahmen des Salon Féministe)

Ort: Baracke

Uhrzeit: 15 Uhr

 

Dass Frauen anders sind, ist allgemein bekannt. Und dass dies nicht gesellschaftliche, sondern natürliche Ursachen habe und die soziale Verschiedenheit der Geschlechter eine Folge der biologischen Unterschiede sei, möchten viele gern glauben. Insbesondere in der Neurophysiologie werden bestimmte Verhaltensweisen durch geschlechtsspezifische Ursachen im Gehirn erklärt. So wird ein weibliches Gehirn konstatiert und vom männlichen unterschieden. Wie kommen solche naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse überhaupt zustande? Und welche Konsequenzen haben sie für die gesellschaftliche Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter? Im Vortrag von Dr. Christine Zunke von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wird exemplarisch am Beispiel des Buches von S. Baron-Cohen „Vom ersten Tag an anders. Das weibliche und das männliche Gehirn“ gezeigt, wie das vorgegebene Resultat der sozialen Geschlechtsdifferenz sich schon in den Prämissen der Forschung findet, wie Ursache und Wirkung des Wechselspiels von Handlung und gemessener Hirnaktivität sich verkehren und wie schließlich aufgrund nicht-geschlechtskonformen Verhaltens einzelner Proband_innen die Genderzugehörigkeit des Gehirns sich vom Sexus des Körpers trennen muss, um das Dogma des spezifisch weiblichen Verhaltens aufrecht erhalten zu können.

 

Dr. Christine Zunke lehrt am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und hat vor Kurzem ihre Habilitation zum Lebensbegriff in der Biologie abgeschlossen.

Die Veranstaltungen des AStA der Universität Münster sind öffentlich. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Vortragsbeginn ist 19 Uhr s.t.